Berlin, 27. Mai 2026 – Die heute von der Bundesnetzagentur vorgestellten Eckpunkte zur Reform der Stromnetzentgelte (AgNes) setzen wichtige Impulse für ein künftiges, stärker flexibilitätsorientiertes Stromsystem bleibt aber an Ambition hinter den Erwartungen zurück. Weiterhin enthält der Vorschlag einige Fehlanreize, insbesondere für Prosumer und kleinere Dach-PV Anlagen.
Positiv ist, dass der Vertrauensschutz für bestehende Speicherinvestitionen erhalten bleibt und weiterhin keine Netzentgelte anfallen. Zudem ist die Abkehr vom Leistungspreis auf Basis der Jahreshöchstlast ein wichtiger Fortschritt der Flexibilität bei der Stromabnahme fördert.
Kritisch ist die geplante Ausgestaltung für Haushaltskunden und Prosumer. Der verpflichtende Grundpreis für Niederspannungskunden kombiniert mit einem Prosumeraufschlag setzt Fehlanreize: Während Steckersolargeräte verschont bleiben, werden klassische Dachanlagen zusätzlich belastet. Das fördert kleinere oder auf Nulleinspeisung ausgelegte Anlagen und schwächt die Markteinbindung. Der Prosumeraufschlag von rund 60 bis 70 Prozent der Netzentgelte wirkt dabei als Investitionshemmnis, zumal parallel das Bundeswirtschaftsministerium die Einspeisevergütung abschaffen will. Gleichzeitig fehlen weiterhin ambitionierte Einführungspläne für dynamische Netzentgelte und damit die Preissignale, die Prosumer zu netzdienlichem Verhalten anreizen könnten.
Für große Anlagen muss geklärt werden, wie FCAs und BKZs künftig ausgestaltet werden; andernfalls bleibt die Diskussion um ein Kapazitätsentgelt eine Chimäre.
Die Einbindung von Speichern und die Regelung für Co-Location-Projekte sind grundsätzlich sinnvoll. Sie schaffen klare und praktikable Rahmenbedingungen. Kritisch ist jedoch die Übergangsphase: Es besteht die Gefahr, dass Netzbetreiber Netzanschlüsse für Speicher zunächst verzögern, solange die zukünftigen Entgeltstrukturen unklar sind oder sie sich zusätzliche Einnahmen bei späteren Netzanschlusszusagen erhoffen.
Der Zeitrahmen ist insgesamt zu unambitioniert: Dynamische Netzentgelte sind richtig, kommen aber erst in den 2030iger Jahren und damit zu spät. So lässt sich die aktuelle Netzkrise nicht lösen. Nicht zuletzt wirft auch die Umverlagerung von Netzentgelten der Übertragungsnetzebene auf die Verteilnetzebene Fragen auf.
Die AgNes-Reform ist damit zwar ein Schritt in die richtige Richtung, braucht aber noch Nachbesserungen.

