Berlin, 11. März 2026: Landwirtschaft in einem ganz „normalen” Solarpark betreiben? Dass das geht, zeigt ein neuer Forschungsbericht des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft e.V (bne). Im Bericht wurde Grünland in diversen Solarparks erstmals ausführlich wissenschaftlich untersucht. Im Fokus stehen die Möglichkeiten der Beweidung und Flächenbewirtschaftung sowie deren Beitrag zu Ökosystemleistungen.
Landwirtschaftliche Nutzung von Solarparks
Deutschland hat ambitionierte Ausbauziele für die Freiflächen-Photovoltaik. Ein Großteil der neuen Anlagen wird auf landwirtschaftlichen Flächen entstehen. Doch Energieerzeugung und Landwirtschaft schließen sich nicht aus: Die Flächen können weiterhin als Grünland bewirtschaftet werden – das ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll.
Gleichzeitig entsteht neuer Lebensraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Betreiber von Solarparks brauchen Landwirtinnen und Landwirte, die die Solarparkflächen bewirtschaften. Über die Qualität und Quantität der Biomasse im Solarpark ist jedoch bisher wenig bekannt. Deshalb unterstützt der bne die universitäre Forschung auf diesem Gebiet. Robert Busch, bne-Geschäftsführer, erklärt: „Wenn wir gut gepflegte Solarparks wollen, müssen wir die Landwirtschaft enger mit einbeziehen. Nur wusste bisher niemand, was im Solarpark wo wächst oder für welche Weidetiere die Futterqualität ausreicht. Das wird durch die neuen Forschungsergebnisse geändert.“
Forschung zur Biomasse in Solarparks
18 Monate haben Dr. Dina Hamidi von der Georg-August-Universität Göttingen und Dr. Christoph Hütt von der Universität zu Köln gemeinsam zur Biomasse in Solarparks geforscht. Sie untersuchten dabei, welche Pflanzenarten wo im Solarpark vorkommen, wie sich Schafe in den Anlagen verhalten, welche Inhaltsstoffe die Pflanzen vor Ort haben oder auch welchen Einfluss Solarmodule auf die Vegetation haben. Die Biomasse in den Anlagen wurde mit neuster Laser-Technologie präzise vermessen, um quantitative Aussagen treffen zu können. Mithilfe eines LiDAR-Scanners, der entweder mobil eingesetzt oder an einer Drohne befestigt werden kann, ließ sich der Aufwuchs in den Anlagen genau analysieren – auch unter den Modulen.
Durch ihre Forschungsergebnisse konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen, dass die Vegetation in Solarparks ausreichend Nährstoffe für die Beweidung mit Schafen und Rindern bietet. Pflanzen unter Solarmodulen sind zudem arten- und proteinreicher als solche zwischen den Modulreihen, wobei dort die Biomasse tendenziell höher ist. Die Untersuchungen zum Verhalten von Schafen in Solarparks brachten positive Ergebnisse zur Eignung der Anlagen als Weideflächen. Auffällig war, dass sich die Tiere bei warmen Temperaturen öfter unter den Modulen aufhielten – ein Aspekt, der angesichts zunehmender Klimawandelfolgen an Bedeutung gewinnen wird.
Robert Busch führt dazu aus: „Die Ergebnisse zeigen, dass Grünland in PV-Freiflächenanlagen als Weideland bspw. für Schafe und Rinder geeignet ist. Die Tiere profitieren doppelt: Die Solarmodule bieten Schutz vor Sonne und Witterung. Gleichzeitig wächst dort eine größere Artenvielfalt an Vegetation als auf herkömmlichem Weideland.“
Mehr landwirtschaftliche Nutzung von Solarparks möglich
Der bne empfiehlt, die Flächenbewirtschaftung in Solarparks stärker im landwirtschaftlichen Kontext zu diskutieren. Die verbesserte Datenlage zur Qualität der Vegetation und zum Verhalten von Weidetieren in Solarparks zeigt, dass eine stärkere landwirtschaftliche Nutzung möglich ist. Diese Art der Flächennutzung sollte als Landwirtschaft anerkannt werden, zusätzlich zu Agri-PV-Konzepten. Der Forschungsbericht wird heute im Rahmen der „Fachkonferenz zur landwirtschaftlichen Nutzung von Solarparks“ in Berlin vom bne vorgestellt. Er fasst die bisherigen Veröffentlichungen der beiden Forschenden zusammen. Weitere Publikationen aus dem Forschungsprojekt sind in den nächsten Monaten zu erwarten.
