Berlin den 7.10.2026, Der Redispatch-Vorbehalt ist ein überflüssiger Zankapfel der Koalition und stößt quer durch die Energiewirtschaft auf Kritik – vom bne bis RWE. Eine bne-Analyse zeigt zudem einen besonderen Fehlanreiz: Ausgerechnet E.ON, die den Vorschlag über Jahre vorangetrieben hat, könnte besonders profitieren. Für neue Wind- und Solarparks drohen dagegen höhere Risiken und schlechtere Finanzierungsbedingungen. Damit droht der Redispatch-Vorbehalt die Systemkosten zu erhöhen.
Erzeugung und Netzausbau besser zu synchronisieren, ist dennoch eine zentrale Aufgabe, die man aber intelligenter lösen kann. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) macht dafür sieben konkrete Vorschläge:
1. Freier Netzzugang für Freiheitsenergien: Wer in Erneuerbare investiert, braucht einen verlässlichen gesetzlichen Netzanschlussanspruch – auch dort, wo Netzkapazitäten knapp sind. Dieser Anspruch darf nicht durch willkürliche Einzelverträge mit unkalkulierbaren Risiken ersetzt werden. Speicher, die gemeinsam mit einer Erneuerbaren-Anlage denselben Netzanschlusspunkt nutzen, müssen ebenfalls vom Netzanschlussvorrang profitieren.
2. Spitzenkappung muss zusätzliche Anschlüsse ermöglichen: Wenn Anlagen ihre Einspeisespitzen begrenzen müssen, muss dadurch auch Platz für weitere Anschlüsse entstehen. Das ist der Kern einer systemdienlichen Anschlussleistung. Netzbetreiber müssen die reduzierte Einspeiseleistung deshalb verbindlich in ihrer Netzplanung und ihren Anschlussprüfungen berücksichtigen. Eine Kappung, die Anlagen beschränkt, ohne die entstehenden Freiräume für zusätzliche Anschlüsse zu nutzen, verfehlt ihren Zweck.
3. Zwischenspeicherung muss selbstverständlich werden: Statt Wind- und Solarparks abzuregeln, sollte ihr Strom zuerst in den Speicher fließen – gerade auch während des Redispatches. Speicher an Erneuerbaren-Anlagen müssen außerdem Netzstrom aufnehmen dürfen, beispielsweise überschüssigen Windstrom. Alles andere nutzt die vorhandene Infrastruktur schlecht, verschenkt Energie und hindert die Flexibilität, die mit der MiSpeL-Festlegung möglich wird.
4. Baukostenzuschüsse: Wegweiser statt Stoppschild: Baukostenzuschüsse sind in der Finanzierung besser planbar als ein unkalkulierbarer Redispatch-Vorbehalt. Zu hohe BKZ verhindern aber neue Anlagen oder erhöhen den EEG-Förderbedarf. Der bne empfiehlt deshalb verbindliche, bundesweit einheitliche und diskriminierungsfreie Vorgaben. Zusätzliche Belastungen durch BKZ, FCA und Redispatch-Vorbehalt dürfen sich nicht übereinanderstapeln. Auch bei der Auswahl des wirtschaftlich günstigsten Netzanschlusspunktes müssen die Baukostenzuschüsse mitgerechnet werden.
5. Transparenz schafft Vertrauen: Wer einen Anschluss plant, muss wissen, wo Platz im Netz ist. Freie und reservierte Kapazitäten, verfügbare Anschlussfelder in Umspannwerken sowie Ausbau- und Fertigstellungstermine müssen bei nachgewiesen berechtigtem Interesse transparent sein. Es braucht Schaltfeldtransparenz, denn viel zu viele Schaltfelder sind schlecht ausgelastet und könnten Speicher oder weitere Lasten oder Erzeuger aufnehmen. Transparenz im Netz hilft, vorhandene Infrastruktur effizienter zu nutzen.
6. Netzausbau vorantreiben – wenn nötig auch privat: Wer Wind- und Solarparks baut, braucht ein Netz, das mitwächst. Netzbetreiber müssen Engpässe schneller beseitigen und vorausschauend ausbauen. Geplante Einspeisenetze, die mehrere Anlagen gemeinsam anschließen, dürfen keine “Wartenetze” werden: Spätestens 24 Monate nach Zuweisung müssen sie fertig sein. Dauert es länger, sollten Projektierer selbst bauen oder vorfinanzieren dürfen. Die notwendigen Kosten können dann später erstattet oder mit Baukostenzuschüssen verrechnet werden.
7. Recht auf flexiblen Netzanschluss im EEG: Projektierer und Netzbetreiber verhandeln nicht auf Augenhöhe. Deshalb braucht es für Erneuerbaren-Anlagen und Speicher am gemeinsamen Anschluss klare Regeln im EEG: ein Recht auf Überbauung, verbindliche Nutzungsregeln und Pflichten für beide Seiten.
Die sieben Vorschläge machen Synchronisation und Systemnutzen konkret:
Rückkehr zum bedarfsgerechten Ausbau, mehr nutzbare Netzkapazität, verlässliche Anschlüsse und Raum für Speicher. Der Bundestag hat jetzt die Chance, die Netzkrise an ihren Ursachen anzugehen. In Folge sind die dringend nötigen Investitionen in der ganzen Breite der Wirtschaft wieder möglich.
„Ein Netzengpass ist zuallererst ein Arbeitsauftrag an den Netzbetreiber. Wer Erzeugung und Netze synchronisieren will, muss Netze digitalisieren und ausbauen sowie Speicher ihre Arbeit machen lassen. Unsere sieben Vorschläge zeigen, wie dafür ein passender Rechtsrahmen geschaffen wird.“, sagt Robert Busch, Geschäftsführer des bne.


