Neue Fraunhofer-Simulation zeigt: Rund 88 Prozent weniger Hochpreisstunden, 35 Prozent höherer Marktwert für Solarstrom und rechnerisch bis zu 1,2 Milliarden Euro weniger EEG-Förderbedarf pro Jahr.
Berlin, 25.09.2026 – Batteriespeicher können extreme Börsenstrompreise deutlich eindämmen und den Förderbedarf für Erneuerbaren-Strom senken. Das zeigt eine neue Simulation des Fraunhofer ISE auf Basis realer Kauf- und Verkaufsgebote am Day-Ahead-Strommarkt des Jahres 2025. Die Simulation zeigt, dass zusätzliche Batteriespeicher die Zahl der Stunden mit Börsenstrompreisen über 200 Euro je Megawattstunde senken und gleichzeitig den Marktwert von Solarstrom erhöhen. Mit zusätzlichen 20 GW Batteriespeicherleistung könnte der Bundeshaushalt laut Hochrechnung um 1,2 Milliarden Euro bei den EEG-Kosten entlastet werden.
Weniger Preisspitzen, mehr Wert für Strom aus Erneuerbaren
Batteriespeicher kaufen Strom in günstigen Stunden und verkaufen ihn, wenn er teuer ist. Am Markt sinken dadurch die Preise in Hochpreisstunden, während besonders niedrige Preise steigen. Die Jahresauswertung für zusätzliche 20 GW Batteriespeicher mit einer Speicherdauer von nur 2 h zeigt:
- Die Zahl der Stunden mit Preisen über 200 Euro/MWh sinkt von 169 auf 20 – ein Rückgang um rund 88 Prozent.
- Die Dauer negativer Strompreise sinkt von 575 auf 271 Stunden – ein Rückgang um rund 53 Prozent.
- Der Marktwert von Solarstrom steigt dabei von rund 45 auf 61 Euro/MWh – ein Plus von rund 35 Prozent.
- Der höhere Marktwert von Solarstrom kann damit den EEG-Förderbedarf rechnerisch um bis zu 1,2 Milliarden Euro jährlich senken
„Die Studienergebnisse zeigen sehr konkret, wie Speicher aus einem volatilen Stromangebot ein flexibleres System machen. Wer über bezahlbaren Strom spricht, muss deshalb auch über Speicher sprechen“, sagt Urban Windelen, Geschäftsführer des BVES.
Der Speicher-Ausbau ist bereits im Gang – der regulatorische Rahmen muss folgen
Der Markt reagiert bereits auf den wachsenden Flexibilitätsbedarf. Nach Daten von Energy-Charts stieg die installierte Batteriespeicherleistung in Deutschland allein im ersten Halbjahr 2026 von 16,8 auf 19,2 GW. Doch viele dieser Speicher orientieren sich (noch) nicht konsequent am Markt. Das Ergebnis: Gerade im Heimbereich wird Strom schon morgens eingespeichert und während der Mittagsspitze ist der Speicher dann bereits voll. Gleichzeitig wird der Ausbau weiterhin durch regulatorische und netzseitige Rahmenbedingungen begrenzt. Aus Sicht der Bundesverbände Neue Energiewirtschaft und Energiespeicher Systeme muss deshalb jetzt sichergestellt werden, dass Speicher ihre Wirkung auch tatsächlich entfalten können.
Robert Busch, Geschäftsführer des bne, sagt: „Die Fraunhofer Daten eröffnen einen Blick in die Zukunft: Batteriespeicher fangen Preisspitzen ab, machen Solarstrom wertvoll und entlasten so den Bundeshaushalt. Der wissenschaftliche genaue Blick zeigt: Speicher und Erneuerbare sind natürliche Partner. Wenn man sie lässt, machen sie günstigen heimischen Strom jederzeit für jedermann verfügbar. Nun gilt es, dafür die Netze so auszubauen und zu ertüchtigen, dass die Netzkrise überwunden werden kann, die momentan das größte Problem der Energieversorgung ist.“
Drei Stellschrauben für mehr Flexibilität
Netzanschlüsse beschleunigen:
Großspeicher müssen schnell und transparent an das Stromnetz angeschlossen werden können. Wo Netzkapazitäten knapp sind, braucht es nachvollziehbare Priorisierungskriterien und praktikable flexible Netzanschlussmodelle. Entscheidend sollte der konkrete Beitrag eines Projekts zur jeweiligen Netzsituation sein – nicht die Technologie allein.
Co-Location ermöglichen:
Speicher können insbesondere gemeinsam mit Solar- und Windanlagen einen zusätzlichen wirtschaftlichen Nutzen schaffen. Der aktuelle EEG-Reformprozess darf deshalb nicht dazu führen, dass solche Kombinationen wirtschaftlich schlechter gestellt werden. Der geplante Abschöpfungsmechanismus muss so ausgestaltet werden, dass Investitionen in zusätzliche Flexibilität nicht ausgebremst werden.
Heimspeicher aktivieren
Heimspeicher müssen am Strommarkt teilnehmen können. Dafür braucht es einen schnelleren Smart-Meter-Rollout, verlässliche Messdaten und bundesweit einheitliche, digitale Prozesse für die Direktvermarktung kleiner Anlagen. Dynamische Stromtarife und perspektivisch dynamische Netzentgelte müssen Flexibilität auch für Haushalte wirtschaftlich attraktiv machen.
Bitte beachten Sie für Ihre Berichterstattung die Sperrfrist bis nach der Pressekonferenz: 28.09.26, 14.30 Uhr.
Über die Simulation
Der Strompreissimulator basiert auf realen Kauf- und Verkaufsgebotskurven des deutschen Day-Ahead-Strommarktes 2025. Simuliert wurden zusätzliche Batteriespeicher mit zwei Stunden Speicherdauer und einer Leistung von 2 bis 20 GW. Die Untersuchung wurde von Fraunhofer ISE durchgeführt. Die vollständigen Ergebnisse sind interaktiv verfügbar: https://www.energy-charts.info/price_simulated/charts/price_spot_market_simulated/chart.htm
Kontakt:
Leonhard Gandhi
Fraunhofer Institute for Solar Energy Systems ISE
E-Mail: leonhard.gandhi@ise.fraunhofer.de
Über den BVES
Der Bundesverband Energiespeicher Systeme e.V. ist die führende Stimme der Energiespeicherbranche in Deutschland und bündelt Unternehmen und Organisationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette in den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität.
Kontakt:
Laura Leypoldt
Bundesverband Energiespeicher Systeme e.V.
Tel. +49 30 54610 639
E-Mail: l.leypoldt@bves.de
Über den bne
Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) steht seit 2002 für Wettbewerb und Innovation im Energiemarkt. Unsere Vision ist eine dezentrale, digitale und strikt erneuerbare Energieversorgung.
Kontakt:
Markus Schleuning
Bundesverband Neue Energiewirtschaft e.V.
Tel. +49 30 400548-18
E-Mail: markus.schleuning@bne-online.de

