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Prosumer-Photovoltaik ohne Bürokratie

Ein Gastbeitrag von Johannes Lackmann, WestfalenWIND Strom GmbH

Es ist Zeit, PV-Eigenverbrauchsanlagen nicht mehr durch das EEG zu fördern, sondern stattdessen das Modell des Net-Meterings einzuführen. Ein Vorschlag für einen neuen Rechtsrahmen.

Vorschlag

  • PV-Anlagen für Eigenstromnutzung erhalten keine Vergütung mehr aus dem EEG.
  • Der Betreiber hat die Anlage vor Errichtung beim Netzbetreiber anzumelden mit Höhe der installierten Leistung. Der Strombezug aus dem Netz und die Einspeisung von nicht selbstverbrauchtem PV-Strom in das Netz werden über einen saldierenden Zähler ohne Rücklaufsperre erfasst und gegeneinander aufgerechnet (Net-Metering).
  • Der Betreiber zahlt neben der üblichen Jahresgrundgebühr ein monatliches PV-Netzentgelt von ca. 4 Euro pro kWp (€/kWp). Soweit er im Abrechnungsjahr mehr Strom aus dem Netz bezieht, als er einspeist, zahlt er dafür neben dem Strompreis die üblichen Netzentgelte und Umlagen an seinen Versorger.
  • Überschüssige Netzrückspeisungen im Abrechnungszeitraum (1 Jahr) werden vom Netzbetreiber nicht vergütet.
  • Hauseigentümer und Mieter können sich zu einer Net-Metering-Einheit zusammenschließen (keine Vorgaben, volle Vertragsfreiheit).

Begründung

Entbürokratisierung

Beim Netzbetreiber entstehen bei einer 7 kW-Anlage Verwaltungskosten von bis zu 200 Euro pro Jahr (Angabe Stadtwerke Steinfurt). Beim Anlagenbetreiber entstehen für Gewinnermittlung, Steuererklärung etc. mindestens weitere 200 Euro pro Jahr. Wenn man gegenüber dem Finanzamt eine Gewinnerzielungsabsicht nicht ausschließt, wird die Anlage wie ein Gewerbetrieb behandelt inklusive IHK-Pflichtmitgliedschaft etc.. Nicht bekannt sind die spezifischen Kosten bei den Finanzämtern und bei den Übertragungsnetzbetreibern für den Wälzungsprozess. Nur der bekannte Teil der Verwaltungskosten beträgt also schon 6 Cent je Kilowattstunden (ct/kWh).

Netzentgelte und Ausgleichsenergie

Dem Trend, sich durch Eigenerzeugung und Heimspeicher schrittweise von der Mitfinanzierung des Stromnetzes zu entziehen, kann durch Pauschalentgelte bezogen auf die installierte PV-Leistung entgegengewirkt werden. 4 €/kWp sind so kalkuliert, dass der Netzbetreiber nach heutigem Stand im Schnitt ebenso viel Netzentgelt bekommt wie von Kunden ohne Photovoltaik.

Mit eingerechnet ist hier die Beschaffung der Ausgleichsenergie: die Wertigkeit eines PV-Einspeiseprofils liegt an der Börse etwas unter dem Beschaffungsprofil für Haushaltsstrom. Der Netzbetreiber soll die Ausgleichsenergiemengen im Rahmen von Ausschreibungen von Stromhändlern beschaffen (Unbundling). Die aggregierte Beschaffung für ein Netzgebiet verursacht nur einen kleinen Bruchteil der Beschaffungskosten, die jeder Netzkunde bei Einzelbeschaffung aufwenden müsste, weil das Netz selbst eine weitgehende Ausgleichsfunktion für die Ungleichzeitigkeiten in den Verbrauchsprofilen der Kunden hat.

Anreiz zur Sektorenkopplung

Ein unbürokratisches Net-Metering-Modell macht die Eigenstromerzeugung so günstig, dass ein Anreiz besteht, PV-Anlagen groß zu dimensionieren, sodass möglichst viele Anwendungen (Wärme und E-Mobilität) durch die Eigenstromerzeugung abgedeckt werden. Durch Net-Metering wird das Verteilnetz zu einer Austauschplattform für Strom. So lassen sich zeitunkritische Verbräuche (Wärme, Kälte und Laden von E-Fahrzeugen) vom Stromhändler (und an den Systemgrenzen vom Netzbetreiber) so steuern, dass der Kunde keine Tarifnachteile hat. Kostengünstige Eigenstromerzeugung ermöglicht endlich die Erschließung der gigantischen Dachflächenpotenziale in den Innenstädten. Das bedeutet:

  • Weniger Strombezug aus den vorgelagerten Netzen von außerhalb,
  • weniger Transportverluste in der Fernübertragung,
  • mehr transportierte Kilowattstunden im Nahbereich innerhalb der Verteilnetze erhöhen die Auslastung dieser Netze und senken somit die Netzkosten pro durchgeleiteter Kilowattstunde.

Entlastung EEG

Wenn weder EEG-Vergütung für den PV-Strom erfolgt noch EEG-Umlage auf den Strombezug, wird das EEG durch den weiteren Ausbau von Prosumer-Photovoltaik überhaupt nicht mehr belastet. Gegenüber dem Status-quo beträgt die Entlastung ca. 1,7 ct/kWh (8,5 ct EEG-Marktprämie für Photovoltaik minus 6,8 ct EEG-Umlage im Strombezug).

Die Gewährung der Vorteile eines Net-Metering könnte für Altanlagenbetreiber nach 20 Jahren sogar an die Bedingung geknüpft werden, dass diese einen fixen monatlichen Betrag pro kWp zur Senkung der EEG-Umlage für alle Stromkunden beitragen. Durch den Verzicht auf neue EEG-Vergütung und den Beitrag zur Rückzahlung von EEG-Kosten würde das Modell die Stromkosten für alle Stromkunden entlasten.

Peter Altmaier hat der Solarbranche erklärt, dass er nicht bereit ist, den 52-Gigawatt-Deckel für Photovoltaik im EEG aufzuheben. Statt weiter am EEG zu kleben, sollte die Solarbranche selbst ein Modell verfolgen, das mindestens im Prosumer-Bereich bestens ohne EEG-Vergütung auskommt und damit die Deckelung im EEG aushebelt.

Ein Gastbeitrag von:

Johannes Lackmann

Geschäftsführer WestfalenWIND-Strom GmbH

Mehr Informationen zum Unternehmen unter: www.westfalenwind.de

Der Text ist im November 2018 in der bne-Publikation Kompass 02/2018 erschienen.

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