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Globaler Ausbau Erneuerbarer Energien auf Rekordniveau

Ein Gastbeitrag des Weltenergierates

Vor allem Wind- und Solarenergie sind in vielen Regionen der Welt auf dem Vormarsch. In China stehen mittlerweile ein Drittel der weltweiten Grünstromkapazitäten, während Afrika noch aufholen muss. Ein Überblick über den weltweiten Status quo.

Erneuerbare Energien nehmen weiter Fahrt auf, so berichtet der Weltenergierat in seiner aktuellen Publikation „Energie für Deutschland 2018“. 2017 war erneut ein Rekordjahr mit einem Zubau von 167 Gigawatt (GW). Seit 2008 hat sich damit die Kapazität der Anlagen mit durchschnittlichen Zuwachsraten von 8,4 Prozent mehr als verdoppelt auf insgesamt 2.179 GW. Deutschland hat hieran einen Anteil von rund 5 Prozent.

Zubausieger: Wind, Solar und Wasserkraft

Während bis zum Jahr 2010 die Wachstumsraten von Wasserkraft noch höher waren als bei Wind und Solar, hat sich das Bild seither gewandelt. Die größten Kapazitätszuwächse erzielten zwischen 2008 und 2017 Wind mit 399,1 GW, Solarenergie mit 375,5 GW und Wasserkraft mit 287,5 GW. Danach folgten Bioenergie mit 55,4 GW, Geothermie mit 3,4 GW und Meeresenergie mit 0,3 GW.

Die Kapazität von Windkraftanlagen hat sich in diesem Zeitraum auf 514 GW mehr als vervierfacht. Sogar um das 26-fache stieg die weltweite Erzeugungsleistung der Solaranlagen, auf insgesamt 391 GW. Die Kapazität von Wasserkraftwerken (ohne Pumpspeicher) zog um ein Drittel auf 1.152 GW an. Die Leistung von Bioenergieanlagen hat sich auf 119 GW verdoppelt. Geothermie hat um 36 Prozent auf 13 GW zugelegt.

China ist nicht nur das Land mit dem weltweit höchsten Energie- und Kohleverbrauch, sondern dominiert auch die Ökostromerzeugung. Ende 2017 waren dort mit 619 GW entsprechend 28,4 Prozent der gesamten globalen Stromerzeugungskapazität auf Basis erneuerbarer Energien installiert. Mit weitem Abstand folgen mit 230 GW die USA sowie mit 128 GW Brasilien. Deutschland schafft es mit 113 GW auf Platz 4. Auf der Rangliste der einzelnen Technologien steht China jeweils bei Wasserkraft, Wind und Solarenergie an erster Stelle. Nur bei Bioenergie und bei Geothermie haben mit Brasilien beziehungsweise den USA andere Staaten die Nase vorn.

Im Länder-Ranking schafft es Deutschland bei der Windenergie auf Platz 3 nach China und den USA, bei Offshore-Wind sogar auf Platz 2 hinter Großbritannien und vor China. Bei der Solarkapazität steht Deutschland im globalen Vergleich auf Platz 4 hinter China, Japan und den USA. In Bezug auf Bioenergie belegt Deutschland den fünften Rang hinter Brasilien, USA, China und Indien. Die TOP 10 in der Geothermie bilden die USA, Indonesien, Philippinen, Türkei, Neuseeland, Mexiko, Italien, Island und Japan. Hier gehört Deutschland nicht zu den führenden Nationen. Auch bei Wasserkraft liegt Deutschland mit einer Kapazität von 6 GW nicht in den TOP 20.

Asien hat sich zur führenden Erneuerbaren-Region entwickelt. Ende 2017 entfielen 42 Prozent der Gesamtkapazitäten auf Mittel- und Südostasien, 24 Prozent auf Europa, 16 Prozent auf Nordamerika, 10 Prozent auf Mittel- und Südamerika, 4 Prozent auf Eurasien (Russland, Armenien, Aserbaidschan, Georgien und Türkei), 2 Prozent auf Afrika sowie je 1 Prozent auf Ozeanien (Australien, Neuseeland und Südsee) und den Mittleren Osten. Zwischen 2008 und 2017 war in allen Weltregionen ein hoher Anstieg der erneuerbaren Energien von nahezu 50 Prozent und mehr zu verzeichnen.

In Afrika ist das bisher ungenutzte Potenzial an erneuerbaren Energien am größten. Auf dem gesamten Kontinent beträgt die Erzeugungskapazität nur 42 GW. Zum Vergleich: Die dort installierte Wind- und Solarleistung macht jeweils nur lediglich 8 Prozent der in Deutschland bestehenden Kapazität aus – und dies trotz der meist günstigeren natürlichen Bedingungen, die eine deutlich bessere Auslastung der Anlagen ermöglichen.

Fazit: Globale Energiewende schreitet voran

Die hohen Kapazitätszuwächse von erneuerbaren Energien sind ein Beleg dafür, dass die Transformation der Energiesysteme weltweit voranschreitet – bisher insbesondere konzentriert auf die Stromerzeugung. Dennoch werden die konventionellen Energien in vielen Bereichen auch auf Jahrzehnte noch eine wichtige Rolle spielen. Neben dem stetigen Ausbau der erneuerbaren Energien ist es deshalb unverzichtbar, die Energieeffizienz weiter zu steigern und die Umsetzung der Technologie zur Abscheidung und Speicherung bzw. Nutzung von CO2 voranzubringen, um die globalen Klimaschutzziele zu unterstützen.

Ein Gastbeitrag von:

Weltenergierat

Der Weltenergierat ist als Netzwerk in rund 100 Ländern vertreten und bietet einen faktenbasierten, internationalen Blick auf energiepolitische Themen. Die Publikation „Energie für Deutschland“ gibt jedes Jahr einen Überblick über die wichtigsten energiewirtschaftlichen Daten und Perspektiven für die Welt, Europa und Deutschland.

Mehr Informationen zum Unternehmen unter: www.weltenergierat.de

Der Text ist im November 2018 in der bne-Publikation Kompass 02/2018 erschienen.

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