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Kompass 2/2014: Schöne flexible Welt: Der Energiemarkt von Morgen

Flexibilität ist das neue Zauberwort! Allein im aktuellen Grünbuch desBMWi zum Strommarktdesign taucht der Begriff mehrere Dutzend Mal auf.Im Kern geht es darum, bei wachsenden Mengen von nicht immer verfügbaren erneuerbaren Energien, Angebot und Verbrauch auszugleichen.Dafür eignen sich Demand-Side-Management, Speicher, moderne Kraftwerken oder der Export

Genau für diesen innovativen Mix stehen der bne und seine Mitgliedsunternehmen. Wie wir uns die flexible Energiewelt von Morgen vorstellen und was für ihre Verwirklichung noch getan werden muss, wollen wir Ihnen mit dem vorliegenden bne-Kompass zeigen. Noch ist das System an vielen Stellen nicht auf die Herausforderungen vorbereitet. Dies gilt etwa für das noch starre Regelenergiesystem, das nicht auf neue und flexible Anbieter ausgerichtet ist, oder für die Netzentgelte, die einen kontinuierlichen statt einen flexiblen Verbrauch anreizen.

Wenn in Zukunft der Marktpreis für ganz Deutschland darüber bestimmen soll, ob Verbraucher zusätzliche Last aktivieren oder aber ihren Konsum drosseln, kann diese Gleichzeitigkeit die Netze lokal vor Probleme stellen. Etwa wenn dort im Falle einer Sonnenflaute eher eine Knappheit vorherrscht, das Marktsignal aber zum zusätzlichen Verbrauch anregt. Um solche Situationen in den Griff zu bekommen, bedarf es eines dezentral einsetzbaren und marktnahen Instruments.

Der Kompass als ePaper.

Dieses hat der bne mit dem Flexmarkt entwickelt und mit Marktteilnehmern und Entscheidungsträgern diskutiert. Die Reaktionen zeigen uns: Wir sind auf dem richtigen Weg. Unser Modell ermöglicht es nicht nur, Flexibilität marktnah zu gewährleisten, wir ebnen damit auch den Weg für neue wettbewerbliche Geschäftsmodelle, die über den Kilowattstundenhandel hinausgehen.

Und nebenbei schafft das bne-Modell einen wettbewerblichen Anwendungsfall für Smart Meter. Denn eins ist klar: Ohne intelligente Messsysteme, ohne genaue Daten, läßt sich ein mehr an Flexibilität nicht abrechnen. Die Energiewende ist längst zur IT-Wende geworden: Erzeugung, Verbrauch, Handel und Steuerung, alles läuft über digitale Wege.

Die Bundesregierung hat dies bisher leider kaum berücksichtigt. Zwar ist schon seit Jahren vom Smart Meter-Rollout die Rede, passiert ist bisher leider wenig. Unter den Marktteilnehmern herrscht Unsicherheit. Viele Fragen sind offen: Wie geht es etwa mit dem Verordnungspaket zum Messwesen weiter Sind die Überlegungen nicht vor der Veröffentlichung schon wieder veraltet?

Welche Potenziale für die neue Energiewirtschaft im Thema Flexibilität schlummern, zeigt das Beispiel von enerNOC. Das Unternehmen hat eine Plattform entwickelt, über die Nachfrageflexibilität gebündelt und am Markt angeboten werden kann, wie Jörg- Werner Haug in seinem Gastbeitrag beschreibt. Wir freuen uns enerNOC ab 2015 als neues Mitglied im bne begrüßen zu dürfen.

Mit einem alternativen Modell für die Direktvermarktung von erneuerbaren Energien ließe sich die Nachfrage nach Flexibilität steigern, wie Sie im Gastbeitrag von Daniel Hölder (Clean Energy Sourcing) lesen können. Der Strombörse kommt dabei eine wichtige Funktion zu. Im Interview mit dem bne-Kompass spricht EEX- und EPEX-Spot-Manager Tobias Paulun darüber, wie neue Kurzfristprodukte, der grenzüberschreitende Handel und kürzere Vorlaufzeiten einen Beitrag zur Flexibilisierung leisten können.

Wir hoffen, Ihnen mit dem bne-Kompass einen spannenden Einblick in die Energiezukunft zu geben. Als Stimme der neuen Energiewirtschaft arbeiten wir weiter daran, den Weg dorthin wettbewerblich, innovativ und verbraucherfreundlich zu gestalten.