12.2.2014

bne-Konferenz zu Smart Markets: "Rahmen schaffen, Verbraucher mitnehmen"

12. Februar 2014. Noch fehlt es an klaren Rahmenbedingungen und an entsprechenden Verteilnetzstrukturen, um die Potenziale, die smarte Energiemärkte für die Energiewende bieten, effektiv zu nutzen. Auch muss den Verbrauchern der Nutzen neuer Energieprodukte erläutert werden. Zu diesen Ergebnissen kamen die Teilnehmer der Konferenz „Smart Market - Flexibilität durch Wettbewerb“, die der Bundesverband Neuer Energieanbieter e.V. am 12. Februar im Rahmen der Energiemesse E-world  in Essen veranstaltet hat.
 
 
Jan Panek, Referatsleiter in der Generaldirektion Energie der EU-Kommission, betonte, der Umbau der Energieversorgung sei ohne die Entwicklung von Smart Markets nicht zu schaffen. „Eine Herausforderung ist es, mehr Flexibilitäten für das Energiesystem bereit zu stellen.“ Verfahren wie Lastmanagement, mit denen die Stromnetze entlastet werden können, spielten dabei eine große Rolle. Panek verwies in diesen Zusammenhang auf die Stromverbraucher, die über neue Technologien wie Smart Meter in die Lage versetzt würden, Flexibilitäten für das Energiesystem anzubieten. Die Herausforderung bestehe nun darin, den Einbau von Smart Metern mit überzeugenden Angeboten für die Verbraucher zu verzahnen, und offene Fragen, etwa was die Kosten und die Datensicherheit angehe, zu klären.
 
Alexander Kleemann, im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zuständig für intelligente Netze und Zähler, betonte, intelligente Energiesysteme sollten nicht nur als technische Lösung für die Herausforderung der Integration erneuerbarer Energien in die Verteilernetze betrachtet werden, sondern auch als Chance für mehr Markt, mehr Wettbewerb und für Angebote im Interesse der Verbraucher, betonte Kleemann. „Zwischen Smart Market und Smart Grid geht es nicht darum, Fronten aufzubauen, sondern Schnittstellen zu nutzen. Hierfür kann der Staat Spielregeln aufstellen; Produkte muss der Markt ins Spiel bringen."
 
Andrea Liebe, Abteilungsleiterin Energiemärkte und Energieregulierung bei der WIK-Consult GmbH, verwies auf die Chancen für einen effizienten Verteilnetzbetrieb. „Der Smart Market ist in der Lage, flexible Lösungen für ein intelligentes Netzkapazitätsmanagement bereitzustellen.“ Der Rechtsrahmen müsse allerdings  hinsichtlich der Alternativen konventioneller Netzausbau und intelligentes Netzkapazitätsmanagement neutral ausgestaltet sein. „Die Entscheidung, welches Instrument das effizienteste ist, muss dem Kalkül des Netzbetreibers überlassen bleiben“, so Liebe.
 
Claus Fest, Innovations- und Projektvertrieb der RWE Effizienz GmbH, hob die Chancen und Hürden von Smart Markets für die Energieversorger hervor. Heute werde zwischen einzelnen energiewirtschaftlichen Dienstleistungen wie Stromlieferung, Wärme und Mobilität unterschieden. „In Zukunft wird die gesamtheitliche Erfüllung von energieabhängigen Aufgaben im Mittelpunkt stehen.“ Fest verwies darauf, dass der Fokus bei der Etablierung von Smart Markes nicht allein auf den Einbau von intelligenten Stromzählern gelegt werden dürfe. Smart Meter seien zwar eine infrastrukturelle Voraussetzung für die Energiewende; der Nutzen für den Verbraucher dürfe aber nicht aus den Augen verloren werden. „Die Kunden akzeptieren die neuen Produkte nur, wenn sie einen Vorteil davon haben“, so Fest.
 
Andreas Gnilka, Geschäftsführender Gesellschafter der LBD-Beratungsgesellschaft, betonte, Energieversorger und Stadtwerke müssten sich angesichts sinkender Margen im klassischen Kraftwerksgeschäft den Herausforderungen der smarten Energiewelt stellen. „Auch wenn die Geschäftsmodelle, die aus der dezentralen Erzeugung entstehen, anspruchsvoll sind und eingeführte Prozesse, IT und Strukturen wieder einmal komplett in Frage gestellt werden, müssen sich Energieversorger darum kümmern – sonst machen es andere.“ Er verwies darauf, dass es noch an einem klaren ordnungspolitischen Rahmen fehle. Als Beispiel nannte er das Messwesen als zentrale Schnittstelle für die Kommunikation mit dezentralen Anlagen. Gnilka: „Damit sich neue, innovative Geschäftsmodelle in der Energiewirtschaft flächendeckend durchsetzen, fehlt bislang der regulatorische Rahmen. Vielen Akteuren mangelt es an Planungssicherheit, um in die ‚neue Welt‘ zu investieren.“
 
Eine Voraussetzung für das Gelingen von Smart Markets seien vollständig neutrale und leistungsfähige Netze, betonte Robert Busch, Geschäftsführer des Bundesverbandes Neuer Energieanbieter e.V. zum Abschluss. „Die Zersplitterung der Verteilnetze liegt wie Blei auf den neuen, intelligenten Energiemärkten.“ Noch immer sei die große Mehrheit der Verteilnetzbetreiber von einer wirksamen Entflechtung befreit. Sie agierten daher gegenüber neuen Anbietern nicht neutral. „Die Umsetzung smarter Geschäftsmodelle der Vertriebe wird so erschwert“, betonte  Busch.
 

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